Leder – Ein Multitalent mit langer Geschichte

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Leder ist ein Werkstoff der uns im Alltag häufig begegnet. Im Auto, der Kleidung, bei Sportgeräten, in Schuhen oder beim Ledersofa – der Werkstoff Leder vereint unterschiedlichste Eigenschaften und kommt damit in vielen Bereichen zum Einsatz. Doch was ist Leder eigentlich? Woraus genau wird es hergestellt? Sind artgerecht gehaltene Tiere bessere Lederlieferanten? Warum gibt es Preisunterschiede? In diesem Beitrag gehen wir auf Entdeckungstour und vermitteln Hintergrundinformationen rund um das Thema Leder.

Warum ist Leder so weit verbreitet?

Leder ist ein Naturprodukt, das den Menschen bereits seit 7.000 Jahren begleitet. Schon damals wurden Tierhäute zu Zeltplanen, Kleidung und Schmuck verarbeitet. Anhand der Kleidung von Ötzi, des über 5.000 Jahre alten Mannes aus dem Eis, weiß man, dass in Europa bereits zu dieser Zeit die pflanzliche Gerbung perfekt beherrscht wurde. Was Leder bis in die heutige Zeit so besonders macht, sind die zahlreichen Eigenschaften, die dieser Flächenwerkstoff auf sich vereint. Es gibt Kunststoffe, die Leder in bestimmten Merkmalen übertreffen. In der Summe seiner Eigenschaften ist es jedoch konkurrenzlos. Für unterschiedliche Funktionen werden unterschiedliche Lederarten verwendet, die nicht ohne weiteres gegeneinander ersetzt werden können. Leder bezeichnet also nicht einen Stoff mit den immer gleichen Attributen, sondern ist Sammelbegriff für ein Naturprodukt unterschiedlichster Ausprägungen. Neben der hervorragenden natürlichen Beschaffenheit, lässt es sich auch sehr gut verarbeiten, wodurch es weitere Merkmale erhält. So lässt sich beispielsweise das von Natur aus wasserdurchlässige Leder in einen wasserdichten Stoff verwandeln.

Wie erkenne ich Leder?

Egal ob bei Ledermöbeln, -schuhen, -taschen, -gürtel oder Portmonnais, immer öfter werden minderwertige Materialien fälschlicherweise im Handel als Leder angepriesen. Umso besser die Qualität des “falschen Leders” umso schwieriger wird es oft für den Konsumenten richtig von falsch zu unterscheiden. Beim Kauf von Lederprodukten sollte deshalb auf folgende Punkte geachtet werden. Trägt das Produkt ein Ledersiegel? Als gängiges Ledersiegel zur Abgrenzung von Kunstleder gilt hier z.B. das Label “Echtes Leder”. Daneben gibt es noch weitere Siegel die z.B. auf eine chromfreie Gerbung achten oder auf Allergiefreundlichkeit Wert legen.

Als weiterer Tipp gilt es z.B. beim Kauf von Lederprodukten nicht nur auf das Betasten und den Geruch des Leders zu achten, sondern auch auf die Nähte, Enden und Schnittkanten. Bei Echtleder sind diese immer rau. Sind hier mehrere Schichten zu erkennen, deutet es auch eher auf ein Imitat hin. Auch die Struktur und Oberfläche des Leders kann Rückschlüsse auf Imitat oder echtes Leder geben. Ist die Oberfläche sehr gleichmäßig handelt es sich wahrscheinlich um ein Imitat. Richtiges Leder weist hier unterschiedliche Porengrößen auf.

Woraus genau besteht Leder?

Das Ausgangsmaterial für Leder sind Tierhäute. In aller Regel handelt es sich hierbei um Nebenprodukte der Fleischgewinnung. Die Tiere werden also nicht geschlachtet, um an ihre Haut zu kommen, sondern dienen in erster Linie als Fleischlieferanten. Verwendet wird nicht die gesamte Haut, sondern nur die mittlere der drei Hautschichten, der sog. Corium oder auch Lederhaut. Die oberste Hautschicht (Epidermis) und die unterste (Subcutis) werden für die Lederherstellung nicht verwendet und müssen entfernt werden. Die Lederhaut besteht wiederum aus zwei Schichten, dessen obere Schicht dem Leder sein typisches Aussehen verleiht. Die untere Schicht der Lederhaut besteht hauptsächlich aus Kollagen, welches dem Leder seine charakteristische Zugfestigkeit verleiht.

Sind glückliche Tiere bessere Lederlieferanten?

Leder ist in der Entstehung ein sehr sensibler Stoff. Dies beginnt schon bei der Biografie des Tieres, das die Lederhaut liefert. Alter, Rasse, Geschlecht und Lebensbedingungen wirken sich auf die Qualität und Eignung des Leders aus. Die Lebensbedingungen in der industriellen Tierhaltung haben in der Regel nachteilige Auswirkungen auf die Qualität. Die Haut übernimmt wichtige Schutzfunktionen für das Tier. Je höher die Belastung für die Haut, desto kräftiger ist sie ausgebildet. Eine reine Stallhaltung bewirkt, dass viele dieser Schutzfunktionen der Haut nicht oder nur unzureichend ausgebildet werden. Zusätzlich kommt es in der reinen Stallhaltung vermehrt zu Hautkrankheiten. Künstliche Mast beeinträchtigt die Bildung einer guten Lederhaut zusätzlich negativ, weil der Fettgehalt und der Mineralstoffanteil in der Haut zu hoch ausfallen.

Wie wichtig ist das Herkunftsland des Leders?

Wie schon erwähnt unterscheidet sich das Leder bereits in der Rasse des Tieres. Bestimmte Rassen, wie die südlichen Zebu-Rinder, weisen beispielsweise für die Polstermöbelproduktion sehr gute Eigenschaften auf. Charakteristisch für diese Rinder ist der Höcker, dessen Erhebung für die Lederherstellung herausgeschnitten wird. Der Standort der Lederherstellung ist ebenfalls von großer Bedeutung. Arbeitsschutzmaßnahmen, Know-how und wichtige Hilfs- und Betriebsstoffe können sich im Umfang je nach Herstellungsland stark unterscheiden. Neben den Gefahren für die Menschen in der Produktion, kann unsachgemäß produziertes Leder bei Hautkontakt Allergien auslösen, die ein Leben lang bestehen bleiben. In Europa sind die Ansprüche an die Qualität und die gesundheitliche Unbedenklichkeit mit am höchsten Ausgeprägt. Es kann sich also lohnen, vor dem Kauf von Lederwaren genauer hin zuschauen.

 


Bilder: Quelle – unsplash.com